„Kreativität braucht Freiraum“

Wie vielfältig elektronische Musik doch sein kann, wie vieler Einflüsse und Stilrichtungen sie sich doch zu bedienen imstande ist, kann man an Mano Meter und seinem Sound sehr gut ablesen. Im Interview mit elektro-chronisten.de erzählt er, wie ihn seine Mutter bereits sehr früh auf die musikalische Bahn gebracht hat, warum er das Risiko eines kompletten Albums eingegangen ist und was in Zukunft von ihm zu erwarten ist.

Von Sebastian Binder  

Manuel Heußner, den meisten wahrscheinlich besser bekannt als „Mano Meter“, ist eine sehr interessante Erscheinung in der deutschen Elektrolandschaft. Schon früh mit der Musik in Berührung gekommen, landete er irgendwann im Elektro-Segment, ohne dabei aber auf seine ihn prägenden Einflüsse aus Jazz, Funk, Soul oder Swing, um nur einige zu nennen, zu verzichten. Im Jahr 2012 erschien sein erstes Album „Swinger“. Hiermit ist selbstverständlich die Musikrichtung gemeint. Jeder, der gerade etwas anderes gedacht hat, verbringt wahrscheinlich zu viel Zeit auf einschlägigen Ü-18-Seiten im Netz. Auch als DJ ist der 25-Jährige schwer angesagt, auf seiner Tourliste finden sich sogar Gigs in Bahrain und Vancouver. Im Interview mit elektro-chronisten.de erklärt Mano Meter zudem, worauf es ihm bei der Soundproduktion ankommt, mit welcher musikalischen Kultfigur er gerne mal einen Tag verbringen würde und warum ihn eine Metalband auf die Idee zur Gründung eines eigenen Labels gebracht hat.

Laut Deiner Biographie bist Du ja schon sehr früh mit Musik in Berührung gekommen. Welche Rolle haben Deine Eltern dabei gespielt oder ging das sogar von Dir selbst aus?

Mano Meter: Ohne meine Eltern wäre ich wohl nie so früh dazu gekommen, daher bin ich ihnen sehr dankbar. Vor allem meine Mutter hat sich mit mir ans Klavier gesetzt und war meine erste Klavierlehrerin. Dann habe ich eine „richtige“ Klavierlehrerin bekommen und in dem Rahmen auch Musiktheorie gelernt. Gitarre spielen hat mir ebenfalls meine Mutter beigebracht. Außerdem habe ich in einer Jungbläser-Truppe eines Posaunenchors das Trompete spielen gelernt. In diesem Chor habe ich ein paar Jahre gespielt, neben Kirchenmusik hauptsächlich Swing.

Das hört sich so an, als wärst Du weit gereist, was Musik betrifft. Wie bist Du bei der elektronischen Musik gelandet?

Mano Meter: Gute Frage. Das Leben hat mich dorthin geführt. Mein Geschmack hat sich immer weiter ausgebreitet und ausgeprägt und in der elektronischen Musik kann ich viele meiner Vorlieben vereinen, sie bietet ein breites Spektrum. Sie kann beruhigend sowie treibend sein, das fasziniert mich. Ein und dasselbe Lied kann leise beruhigen und laut antreiben. Außerdem ist Elektro sehr eingängig und der gleichbleibende 4/4-Takt lässt einen nach und nach versinken.

Klingt einleuchtend. Worauf kommt es Dir demnach beim Produzieren an und was willst Du den Hörern mit Deiner Musik vermitteln?

Mano Meter: Mein Sound ist in der Regel sehr harmonisch, darauf kommt es mir auch beim Produzieren meistens an. Ich bin mehr der Gefühlsmusiker, gehe also weniger theoretisch heran und weiß vorher selber nicht unbedingt, wo ich letztendlich lande. Vermitteln möchte ich aber stets Freude und Liebe, Spaß an der Musik, am Tanzen und vor allem an der Gemeinschaft.

Dein Sound ist ja von einigen anderen musikalischen Stilrichtungen wie Jazz und Funk inspiriert. Hast Du da Vorbilder? Oder sind die Deiner Meinung nach bei der klanglichen Entfaltung eher hinderlich?

Mano Meter: Es fällt mir nach wie vor schwer, mich auf eine Lieblingsmusikrichtung oder einen Lieblingskünstler festzulegen. Vorbilder habe ich natürlich viele. Sie wirken sich bestimmt auch indirekt oder unbewusst auf meine Musik aus. Hinderlich finde ich das aber nicht. Ich bin zum Beispiel ein großer Fan von Helge Schneider und träume davon, eines Tages mal mit ihm was zu produzieren und einen verrückten Tag zu verbringen.

Es ist durchaus vorstellbar, dass dem Helge Dein erstes Album „Swinger“ gefällt. Warum sollte sich das also nicht ergeben? Wie hast Du die Tracks für dieses Album zusammengestellt und worauf kam es Dir dabei besonders an?

Mano Meter: Die Tracks sind größtenteils über mehrere Jahre entstanden. 2011 hatte ich dann endlich mal Zeit, alle meine musikalischen Ergüsse durchzuhören und mir meine Favoriten zu notieren, um sie fertig zu produzieren. Dabei habe ich die Songs auf zwei Alben verteilt, das erste war nun „Swinger“, mit viel Einfluss aus Swing, Soul, und anderen Musikrichtungen. Den Song „Twist Of Fate“ habe ich zum Beispiel mit einer damals 13-jährigen Nachwuchs-Saxophonistin produziert, „Abu Phadi“ ist in Abu Dhabi entstanden und „Piano Afrika“ habe ich auf einem afrikanischen Klavier eingespielt. Darüber hinaus arbeite ich aber auch mit Samples. Die Mischung macht‘s.

Viele Künstler in der elektronischen Musikwelt schrecken davor zurück, ein komplettes Album zu produzieren, die meisten wahrscheinlich aus finanziellen Gründen. Kannst Du das verstehen und warum sollte man trotzdem dieses Risiko eingehen?

Mano Meter: Es ist richtig, der Kostenaufwand, vor allem mit Vinyl-Pressung, ist schon enorm. Ich bin allerdings ein ziemlich risikofreudiger Mensch und wollte eigentlich bereits viel früher ein Album herausbringen. Da die Qualität aber bei mir ganz oben steht, hat es etwas länger gedauert, aber ich denke, das Teil kann sich sehen und hören lassen. Ob man das Risiko eingeht, muss letztlich jeder selbst wissen, man sollte aber schon eine gewisse Basis haben. Unser über Jahre gewachsenes Netzwerk rund um unsere Firma Fachwerk Studios und auch im Freundeskreis hat mir da sehr geholfen.

Du sprichst es gerade an: 2005 hast Du das soundtechnisch sehr diversifizierte Label Fachwerk Studios mitgegründet. Wie kam es dazu?

Mano Meter: Wir haben ein Album mit der Metal-Band „Dimeless“ produziert und kein Label gefunden, also habe ich kurzerhand selber eins gegründet. Bis dahin hatten wir drei Bereiche, nämlich Events, Tonstudio und Design. Daraus wurden dann vier Bereiche: Label, Events, Tonstudio, Design. Die betreiben wir bis heute. Obwohl wir auf dem Label Künstler aus den verschiedensten Musikrichtungen haben, steht unser Sound vor allem für qualitativ hochwertige Musik.

Wie hältst Du es mit Auflegen? Vinyl, CD, MP3? Oder eine bunte Mischung aus allem?

Mano Meter: Ich habe früher eigentlich immer nur Vinyl aufgelegt. Mittlerweile spiele ich mit Timecodes über Traktor, hauptsächlich um eigene Songs und gewisse Remixe spielen zu können. Das ist natürlich auch eine super Möglichkeit, um neue Songs zu testen. Mit der Zeit gewöhnt man sich zudem daran, keine 2-3 Plattentaschen mehr mitschleppen zu müssen. Aber eine kleine Tasche habe ich eigentlich immer noch dabei, für alle Fälle und manche Schätze gibt es nun mal nur auf Vinyl.

Gibt‘s in nächster Zeit einen Gig, auf den Du Dich ganz besonders freust?

Mano Meter: Am 16. Februar lege ich in den Docks in Hamburg bei der Aftershowparty von Parov Stelar auf, darauf freue ich mich riesig.

2012 ein Album, aber wie sieht die Zukunft von Mano Meter aus?

Mano Meter: Das lasse ich auf mich zukommen, Kreativität braucht Freiraum. Na gut, ein bisschen was ist schon geplant. Dieses Jahr folgt mein zweites Album „Hand & Fuß“, was mehr elektronisch und weniger „swingig“ wird, aber selbstverständlich trotzdem meine eigene Note hat. Außerdem arbeite ich an einem neuen Projekt mit einem Schlagzeuger, dazu darf ich aber noch nichts verraten. Und natürlich werde ich weiterhin als DJ unterwegs sein…

Fotos: Mano Meter (von Chris Ewald)