AKA AKA und der Shitstorm

Es ist eher ungewöhnlich, dass sich Künstler der elektronischen Musikwelt einem Shitstorm ausgesetzt sehen. Doch AKA AKA ist genau das passiert. Grund ist die landesmäßig seltsame Verteilung der Gefällt-mir-Klicker auf ihrer Facebook-Seite. Die meisten kommen nämlich überraschenderweise aus Südamerika. Doch interessiert das wirklich jemanden? Geht es hier nicht vielmehr um guten Sound?

Von Sebastian Binder  

Wie schön sind doch die Zeiten im Web 2.0. Manchmal frage ich mich, wie wir unsere Zeit nur früher verbracht haben, als wir nicht ständig gefacebooked, getwittert, geyoutubed oder sonst wie gesocialnetworked haben. Neben dem wichtigsten Etwas in den Sozialen Netzwerken, nämlich sich geliebt, verstanden, respektiert zu fühlen, gibt es noch einen zweiten nicht zu unterschätzenden Aspekt: Dampf ablassen. Endlich hat man als unbedeutendes Menschlein die Möglichkeit, seinem Ärger so richtig Luft zu machen und einer breiten Öffentlichkeit seine mal mehr, meistens jedoch weniger intelligente Meinung kund zu tun. Wahrscheinlich war das Idee, die hinter dem supertrendigen Internetphänomen „Shitstorm“ steht. Der Duden definiert diese Erscheinung als „Sturm der Entrüstung in einem Kommunikationsmedium des Internets, der zum Teil mit beleidigenden Äußerungen einhergeht“. Weiter bedeutet dieser Fäkaliensturm, dass „sachliche Kritik mit zahlreichen unsachlichen Beiträgen vermischt und eine sinnvolle Diskussion dadurch verhindert wird.“ So viel zur Theorie.

Ich war einigermaßen überrascht, dass sich dieses Phänomen auf einmal auf der Facebook-Seite von AKA AKA zusammenbraute. „Was ist los?“, dachte ich. „Warum sollten irgendwelche Leute plötzlich anfangen, AKA AKA zu haten?“ Haben sie versehentlich für ihren neuen Track die erste Strophe der deutschen Nationalhymne gesampelt? Oder planen sie eine Kollabo mit Dieter Bohlen? In beiden Fällen wäre ein Shitstorm wohl einigermaßen gerechtfertigt oder wenigstens nachzuvollziehen. Natürlich ist nichts dergleichen passiert. Es geht um etwas anderes: Die Website SternTV-Experimente hat einen „Facebook Like Check“ installiert. Hier kann man für jede Facebook-Fanseite überprüfen, wie die Gefällt-mir-Klicker weltweit verteilt sind. Gibt man nun den Namen der AKA-AKA-Fanseite „akaberlin“ ein, stellt man fest, dass fast die Hälfte der Gefällt-mir-Drücker aus Peru kommen (102.000), die drittmeisten aus Costa Rica (10.400) und die viertmeisten aus Kolumbien (7.390). Deutschland, das Land, aus dem AKA AKA stammen und in dem sie die mit Abstand meisten Auftritte spielen, liegt mit 76.600 Facebook-Fans nur auf dem zweiten Platz. Der Beigeschmack, den diese Zahlen haben, ist erst einmal klar: Es entsteht der Verdacht, dass Hannes und Holger Likes gekauft haben, was mittlerweile leider Gang und Gäbe bei Facebook, Twitter und Co. ist. Zahlreiche Unternehmen betreiben diese Strategie, um ihren Wert in den Sozialen Netzwerken zu steigern. Es gibt unzählige Anbieter, die sich auf dieses Geschäft spezialisiert haben und dabei richtig Kasse machen. Denn klar ist: Wenn mein Produkt 300.000 Leuten gefällt, macht das deutlich mehr Eindruck, als wenn es nur 3.000 Leuten gefällt.

Nun stellt sich aber die Frage, warum eine Band wie AKA AKA, die genialen Sound produziert und granatenmäßige Live-Shows spielt, auf eine derartige Strategie setzen sollte? AKA AKA haben es wirklich nicht nötig, den Wert ihres Sounds künstlich aufzublähen. Dennoch sahen sich Hannes und Holger auf ihrer Facebook-Seite gezwungen, ein Statement zu veröffentlichen: „Da wir gerne mal in Südamerika spielen wollen, haben wir dort eine ganz reguläre Facebook-Kampagne zum Album gestartet, um vor Ort bekannter zu werden. Das sind die Anzeigen rechts, wo steht “Max Mustermann gefällt AKA AKA, dir auch?”. Mit diesen Anzeigen wird Facebook übrigens finanziert und ohne die wäre das hier ein für euch kostenpflichtiger Dienst! Das nur mal so am Rande. Jedenfalls sind durch diese kurzzeitige Werbung die Likes in Peru plötzlich explodiert!“ Und weiter heißt es: „Wir haben die Werbung dann schnell gestoppt, da uns das auch nicht geheuer war, aber trotzdem kommen nach wie vor immer mehr Fans aus der Region dazu. Das nennt man dann wohl ‚viral‘.“

Nun gut, so einfach ist es sicherlich nicht. Durch eine kurz angelegte Werbekampagne bekommt man als unbekannte Band (und das ist AKA AKA in Peru) nicht 100.000 Gefällt-mir-Klicks hinterhergeworfen. Die in diesem Land beispielsweise sehr bekannte Rockband Los Fuckin Sombreros kommt auf Facebook gerade einmal auf knapp 600 Klicks. Es ist also nicht so, dass die Peruaner bei allen möglichen Bands einfach mal „Gefällt mir“ drücken. AKA AKA beteuern, dass sie selbst keine Klicks gekauft haben und warum sollten wir das nicht glauben? Fakt ist jedenfalls, dass ihr hier in eine sehr merkwürdige Geschichte reingeraten seid, Jungs. Die wahrscheinlichste Erklärung ist, dass eure Südamerika-Kampagne von dritter Seite befeuert wurde. Das können dabei nur bezahlte Klicks sein, vermutlich von Bot-Programmen gesteuert, denn anders ist die Zahl 100.000 kaum zu erklären. Ich an eurer Stelle würde daher nochmal in eurem Südamerika-Umfeld nachforschen, wenn euch wirklich interessiert, woher diese Zahl kommt.

Aber ich für meinen Teil gebe eigentlich einen gepflegten F*** drauf. Denn für mich zählt einzig und allein, ob ihr guten Sound macht. Ob auf eurer Seite 200 oder 200.000 Menschen „Gefällt mir“ geklickt haben, geht mir dabei ebenso gepflegt an diesem Körperteil vorbei, aus dem der reale Shitstorm herauskommt. Und wenn ich mir die Kommentare auf eurer Facebook-Seite ansehe, dann geht es wohl den meisten AKA-AKA-Fans genauso. Und an alle Leute, die diese Zahlen irgendwie verdorben, anzüglich oder sonst was finden: Relajate, Leute, einfach mal relajate. Es geht hier doch um Musik, nicht um irgendwelche Beliebtheitsskalen, oder? Also, drauf geschissen, auf den Shitstorm. Ich schließe jetzt mein Facebook-Fenster und höre mir ganz entspannt meine AKA-AKA-Playlist nochmal an…

Playlist: AKA AKA on elektro-chronisten.de

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