„Der Beat soll abgehen“

Wenn es Jemanden in der elektronischen Musikszene gibt, der derzeit gut lachen hat, dann ist es Thomas Lizzara. Sein Album war ein voller Erfolg, genau wie sein neues Live-Konzept mit Musikern. Doch nicht nur darüber redet er im Interview mit elektro-chronisten.de. Er erzählt auch, was seine Eltern von seinem Berufswunsch hielten, worauf man beim Remixen achten sollte und was die Fans in nächster Zeit von ihm erwarten können.

Von Sebastian Binder  

Thomas Lizzara ist ein positiv eingestellter Zeitgenosse. Das hört man nicht nur seiner Musik an, mit der er schon seit einiger Zeit ordentlich durchstartet und mit seinem Album „Dopamin Puzzle“ 2012 einen richtigen Erfolg feiern konnte. Auch im Gespräch mit elektro-chronisten.de wird deutlich, dass sich Thomas Lizzara nicht so schnell die Laune verhageln lässt. Vor allem dann nicht, wenn die Fragen so freundlich sind wie in der Welt der elektronischen Chronisten:

Auf Deiner Website steht das Zitat „Liebe auf den ersten Beat“. Was hat es damit auf sich?

Thomas Lizzara: Ganz einfach, das drückt in einem Satz meine Liebe und Leidenschaft zum Musik machen aus.

Woher kommt diese Liebe und Leidenschaft zur elektronischen Musik?

Lizzara: Ich war ungefähr 13, als mir mein älterer Cousin erste Mixtapes vorgespielt hat. Das war so Mayday-Zeug und ähnliches. Ich dachte: Cool, das willst du auch mal machen. Ich habe dann schon mit 15 angefangen, an eigenen Sachen rumzuschrauben. Nachdem ich dann meinen ersten Plattenspieler gekauft hatte, kam das Auflegen irgendwann mit dazu. Und ab diesem Zeitpunkt war es eigentlich mein Traum, das später auch beruflich zu machen.

Waren Deine Eltern von dieser Idee begeistert?

Lizzara (lacht): Die Begeisterung meiner Eltern hat sich in überschaubaren Grenzen gehalten. Sie haben gesagt: Junge, lern‘ doch lieber was Richtiges. Ich habe dann ja auch eine Berufsausbildung gemacht. Nebenbei bin ich der Musik trotzdem treu geblieben und habe dann nach einer gewissen Zeit für mich entschieden: Jetzt wird nur noch Musik gemacht und nichts anderes mehr.

Gute Entscheidung. Wie hast Du dann über die Jahre Deinen typischen Thomas-Lizzara-Sound kreiert?

Lizzara: Zunächst ist mir wichtig, dass immer ein wenig Fröhlichkeit und gute Laune mit drinnen ist. Und der Beat soll natürlich abgehen, ich will ja nicht, dass die Leute einschlafen. Das heißt aber nicht, dass es nicht hin und wieder ein wenig ruhiger und emotionaler sein kann. Meine Songs sollen einen Wiedererkennungswert haben, aber nicht dieses leicht abgedroschene David-Guetta-Irgendwas, sondern schon deutlich cooler verpackt daherkommen. Die Hörer sollen auf jeden Fall realisieren, dass ich Spaß daran hatte, diesen Sound zu produzieren. Mittlerweile kommt es mir zudem darauf an, dass ein Fokus auf dem Melodiösen liegt. Das war nicht immer so. Früher habe ich zum Beispiel Tracks im Techno-Style à la DJ Rush gemacht, was sich so mancher heute wahrscheinlich kaum noch vorstellen kann.

Wie sieht es demnach aus, wenn Thomas Lizzara im Studio arbeitet?

Lizzara: Ich fange normalerweise ganz neutral an: Ich baue einen Beat und wenn der fetzt, gruppiere ich weitere Elemente drum herum. Es kann aber auch sein, dass ich ein Sample habe und daraus einen Track konzipiere. Oder ich klimpere solange herum, bis ich eine Melodie finde, die mir gefällt. Ich bin da ziemlich spontan. Es bringt meiner Erfahrung nach nichts, wenn man wochenlang an einem Titel rumdoktort, denn das ist meistens ein Zeichen dafür, dass die Nummer nicht funktioniert. Bei wirklich guten Sachen weiß man schon nach zwanzig Minuten: Hey, das Teil rockt!

Auch eine schöne Erklärung für „Liebe auf den ersten Beat“.

Lizzara: Stimmt, schreib‘ das so.

Wird gemacht. Dein Album „Dopamin Puzzle“ war ziemlich erfolgreich. Hast Du damit gerechnet, als Du es konzeptioniert hast?

Lizzara: In der elektronischen Musikwelt kann man damit nicht rechnen. Zunächst einmal war mir bei diesem Album wichtig, dass die Tracks auf eine Weise zusammengestellt sind, dass ich für mich selbst eine Entwicklung in meiner Musik erkennen kann. Dabei war es so, dass einige Titel sehr gewagt waren, bei denen ich erst einmal dachte: Mann, mal sehen, ob das den Leuten gefällt. Aber ich bin ein Mensch, der gerne mal ein Risiko eingeht und generell positiv eingestellt ist. Natürlich habe ich gehofft, dass das Album ankommt und umso schöner war es dann zu sehen, dass das tatsächlich eingetreten ist.

So viel zu Deinen eigenen Kompositionen. Worauf kommt es Dir an, wenn Du Lieder remixed?

Lizzara: Ich muss im Original-Titel einen musikalischen Inhalt erkennen, bei dem ich merke, dass ich daraus etwas machen kann. Ich brauche also eine Melodie oder eine Gesangspassage, mit der ich arbeiten kann. Wenn ich aber nichts dergleichen vorfinde, mache ich auch keinen Remix, denn dann kann ich gleich ein eigenes Lied produzieren.

Du würdest also nicht Justin Bieber remixen?

Lizzara: Bei aller Liebe, aber das nun wirklich, wirklich nicht…

Wenn Du auflegst: Spielst Du lieber in kleinen, intimen Clubs oder bevorzugst Du die Weitläufigkeit von Festivals?

Lizzara: Ich mag eigentlich beides. In kleineren Locations hat man die Nähe zu den Leuten, also eher den Kontakt zur Crowd, der natürlich wichtig ist. Außerdem bleibe ich nach meinem Set gerne noch da und feiere dann einfach im Publikum weiter. Andererseits haben Festivals selbstverständlich etwas für sich. Wenn du vor ein paar tausend Menschen spielst, die richtig abgehen, dann ist das schon ein abgefahrenes Gefühl.

Du hast ja zuletzt auch ein richtiges Konzert mit ein paar Live-Musikern gegeben. Welche Grundüberlegung steckte da dahinter?

Lizzara: Die Grundüberlegung war, dass ich Techno mal ein wenig anders rüberbringen wollte. Ich glaube, dass sich die Leute mehr Gedanken über die Musik machen, wenn richtige Instrumentalisten auf der Bühne stehen, als wenn da nur einer ist, der ein paar Platten spielt. Das kam auch super an und es wird definitiv eine Fortsetzung von diesem Konzept geben, vielleicht schon im April.

Hast Du keine Angst, dass Du als DJ beziehungsweise als letztlich Verantwortlicher für den Sound zu stark in den Hintergrund gedrängt wirst?

Lizzara: Überhaupt nicht, denn wenn ich alleine spiele, stehe ich ja oft genug im Mittelpunkt. Es geht mir mit diesem Konzept auch darum, diese Musiker, die nicht alle so bekannt sind, zu unterstützen und nach vorne zu bringen. Denn es kann ja sein, dass durch solche Auftritte andere Produzenten auf diese Musiker aufmerksam werden und das ist dann eine richtig coole Sache. Es geht also auch um das Miteinander und den Support.

Starke Einstellung. Du planst ja, weitere Tracks mit diesen Musikern zu produzieren, oder?

Lizzara: Auf jeden Fall. Es ist in dieser Hinsicht einiges angedacht, denn ich möchte einfach mehr akustische Elemente in meine Tracks integrieren. Mit meinem Geiger, Gitarristen, Trompeter und meinen Sängern sind einzelne Stücke in der Mache und vor allem für den Sommer darf man da einiges erwarten.

Auch ein komplettes Album?

Lizzara: Das ist sicherlich eine Überlegung wert, aber konkret ist da noch nichts geplant. Mal sehen.

Und was hält Thomas Lizzara in unmittelbarer Zukunft für seine Fans parat?

Lizzara: Da habe ich ein paar Pfeile im Köcher. Eigentlich wollte ich im Januar Pause machen, habe aber dann doch viel Zeit im Studio verbracht. Es sind einige dicke Remixe vorbereitet, aber mehr wird zu diesem Thema noch nicht verraten. Außerdem sind Videos geplant und die Kaffeeklatsch-Partyreihe im Magdalena wird natürlich auch fortgesetzt. Es wird also nicht nicht langweilig werden…

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