audio stunts & mahumba: Die Zwei vom Autoscooter

Wo endet die Wirklichkeit, wo beginnt die Legende? Bei kaum einem Newcomer-Duo ist diese Frage so berechtigt wie bei audio stunts & mahumba. Doch die Wahrheit liegt bekanntlich immer noch im Sound und hier haben die beiden schon einiges zu bieten. Und nicht zuletzt ihren DJ-Sets hört man an, dass kalkulierter Wahnsinn in der elektronischen Musikwelt durchaus von Vorteil sein kann.

Von Sebastian Binder  

Dass die Elektroszene hierzulande nicht arm an kuriosen Vögeln ist, war mir schon vorher bekannt. Vielleicht liegt es daran, dass es im Gehirn irgendwann zu einer dysynaptischen Fehlfunktion kommt, wenn man sich die ganze Zeit 125 Beats pro Minute durch die Denklappen brennen lässt. Wie kurios es aber tatsächlich werden kann, wurde mir klar, als ich auf audio stunts & mahumba gestoßen bin. Schon ihre Biographie auf ihrer Homepage liest sich wie eine Mischung aus Wahrheit, Legende und kalkuliertem Wahnsinn und in diese Welt wurde ich hineingerissen, als ich mit den beiden in Kontakt trat und sie zum Interview bat. Mir wurde wieder einmal klar, warum es mir so viel Spaß macht, diese Artikel zu schreiben. Es liegt nicht nur am Sound, es liegt auch an den Leuten, die hinter den Geräuschen stehen, die aus meinen Computerboxen schallen.

Die Legende besagt jedenfalls, dass sich audio stunts & mahumba als Autoscooter-Angestellte auf dem Rummelplatz kennengelernt haben. Das klingt bereits so merkwürdig, dass man es nur zu gern glauben möchte. „Wir kennen uns tatsächlich von der Arbeit“, erzählen die beiden gegenüber elektro-chronisten.de. „ Und falls der Rummelplatz eine Metapher ist, ist sie nicht unbedingt weit hergeholt.“ Mehr sagen sie nicht darüber und man kann nun selbst entscheiden, ob es sich hier um Legende oder Wahrheit handelt. Ach, zum Teufel mit der journalistischen Integrität, mir gefällt diese Vorstellung, Metapher hin oder her, und letztlich zählt doch ohnehin nur der Sound. Kommen wir also zu der Geschichte, wie audio stunts & mahumba bei der elektronischen Musik gelandet sind: „Vom Bierzelt bis zur HipHop-Jam haben wir beide schon, getrennt voneinander, so einiges bespielt. Was uns aber verbindet, ist unsere gemeinsame Liebe zu House. Irgendwo in der Mitte haben wir uns dann getroffen und bemerkt, dass unser gemeinsamer Nenner der 4/4-Takt zwischen 120 und 127 Beats pro Minute ist. Da wir auf der Arbeit beim Autoscooter den ganzen Tag konstant mit schlechter Tanzmusik zugedröhnt wurden, entwickelten wir eine andere Wahrnehmung für Musik. Das hat uns sicher unterbewusst dazu veranlasst, etwas Eigenes zu machen.“ Da ist er wieder, der Autoscooter. Zugegeben, das macht mich fertig.

Wer sich nun aber einmal selbst davon überzeugen möchte, wie ein Ausflug in die audio-stuntische, mahumbastische Soundwelt klingt, der sollte sich ihren Track „Back To Melmac“ anhören. Alle Leute, die in den 1990ern fernsehtechnisch sozialisiert wurden, wissen nun natürlich sofort, was das Thema ist: ALF, das außerirdisch-chaotische Zottelwesen vom Planeten Melmac. Ich musste aus Flashback-Gründen sofort nostalgisch grinsen, als ich die Nummer zum ersten Mal hörte. Aber wie kommt man nun darauf, ausgerechnet dieses Lied neu zu editieren? „Irgendwann kam uns auf der Suche nach Melodien die Idee, dass wir uns doch mal an Serienklassikern aus den 90ern vergreifen könnten. Kurz nachdem wir ‚90er‘ sagten, rief einer ‚ALF!‘ und wir trommelten auf dem Tisch“, beschreiben audio stunts & mahumba ihren Gedankengang. „Wir verschickten eine erste Skizze des Tracks an befreundete DJs, Produzenten und erfahrene Nachteulen. Die Reaktion war immer gleich: ‚Geil! ALF!‘ Ein echtes Release wird es aus Urheberrechtsgründen aber leider nicht geben, aber es wird sich sicher ein Weg finden lassen, an das Re-Edit, an dem wir gerade arbeiten, heranzukommen.“

Auch remixtechnisch haben die beiden schon ein paar interessante Nummern herausgegeben. Ihre Edits von den Ultraklassikern „Riders On The Storm“ von The Doors und Prodigys „No Good“ zeugen durchaus von Potential auf diesem Gebiet. Ihr bester Remix ist momentan wohl dennoch ihre Version von LTD C&Ps „Arrangement“. „Remixen ist für uns manchmal spannender als bei Null anzufangen. Man nimmt das Werk eines anderen und interpretiert es neu. Wiedererkennbar und trotzdem eigen. Das Prinzip funktioniert in der Klassik ja so ähnlich seit hunderten von Jahren. Wichtig ist nur, dass der Spirit des Tracks nicht verloren geht.“ Wie kommt es dann, dass es noch nicht mehr Remixe von audio stunts & mahumba gibt? „Blöderweise leiden wir am bekannten Nicht-zum-Ende-kommen-können-Syndrom. Da können viele Newcomer wie wir oder auch alte Hasen sicher ein Lied davon singen. Da fehlt uns einfach noch die Routine, die Erfahrung und das Know-how.“ Macht nichts, man lernt schließlich nie aus.

Im Bereich des DJings haben audio stunts & mahumba hingegen bereits eine Menge Erfahrung vorzuweisen. Nicht umsonst haben Elektro-Größen wie Monkey Safari oder René Bourgeois sich die beiden bereits in ihr Vorprogramm geholt. Hört man sich ein wenig durch ihre Sets auf Soundcloud, so gewinnt man schnell den Eindruck, dass hier mit einer Menge Liebe zum Detail gearbeitet wird. „Wir legen sehr viel Wert auf gute Vorbereitung und investieren viel Zeit, um unsere Sets zusammen zu stellen. Im Normalfall passen wir unsere Sets an die Location und das Line-Up der Party an“, bestätigen sie diese Wahrnehmung. „ Dabei ist es uns aber wichtig, unsere Identität und unseren Sound nicht zu verlieren. Wir hören uns vor Partys meistens alle DJs einmal an und peilen so ab, wie der Sound der Nacht klingen wird. Da muss man Abwechslung reinbringen und trotzdem nicht zu sehr aus dem Rahmen fallen. Wir strukturieren unsere Trackauswahl dann so, dass wir einen schönen Spannungsbogen aufbauen und die Tracks perfekt zu mixen sind.“

Dennoch soll in Zukunft der Fokus stärker auf das Produzieren gerichtet werden, auch mit einer E.P. von audio stunts & mahumba ist daher in nächster Zeit zu rechnen. „Geplant sind zwei oder drei Tracks, sowie zwei Remixe von bekannteren Produzenten beziehungsweise Produzentinnen. Vom Stil her wird es Blasmusiklastiger-Rummelplatz-Konfetti-House sein. Wir möchten aber auch eine deepe Nummer mit dabei haben. So findet unsere Musik vielleicht auch den Weg zu Leuten, die im Normalfall nicht auf den typischen TechHouse-Sound stehen. Aber da wollen wir den Mund noch nicht zu voll nehmen.“ Man darf also gespannt sein, was sich in der legendären audio stunts & mahumba-Welt in Zukunft entwickeln wird.

Je mehr die Fragen und Antworten ins Detail gingen, umso mehr dachte ich, dass es sich bei audio stunts & mahumba möglicherweise doch um zwei ganz normale Durchschnittstypen handelt, die einfach Bock auf elektronische Musik haben. Bis ich zu der Frage kam, warum auf Fotos eigentlich nie ihr Gesicht zu sehen ist. Ihre Erklärung: „Gegen mahumba läuft gerade ein Verfahren, weil er mit fünf Kilo Konfetti im Auto erwischt wurde. audio stunts ist vor einiger Zeit ein Gullideckel in eine Schaufensterscheibe gefallen. Mehr können wir dazu nicht leider sagen.“ Okay, kuriose Vögel, wusst‘ ich‘s doch gleich…

Foto 1 by Katharina Friedrich

Foto 2 by funkjunge.com

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