Super Flu: Sinn für Ironie

So großartig die deutsche Elektroszene auch hin und wieder sein mag, manchmal gibt es Bands, die es besser nicht geben sollte. Bestes Beispiel für diese These sind Super Flu. Ihr Sound schiebt nicht an, die Remixe sind Verbechen am guten Musikgeschmack und ihre Auftritte wohl das beste Heilmittel für Menschen, die an Schlafstörungen leiden. Hätten sich die beiden doch nur an die Bedeutung ihres Namens gehalten, viel Leid wäre verhindert worden.

Von Sebastian Binder  

Es gibt diese Bands, die die Welt nicht braucht. Niemand kann sich erklären, warum diese Bands tatsächlich existieren, was sie im Musikkosmos zu suchen haben beziehungsweise ob das Gewinsel, das sie produzieren, überhaupt als Musik zu bezeichnen ist. Nun gibt es auch in der elektronischen Musikwelt derartige Gestalten und das beste Beispiel hierfür sind Super Flu. Bereits der Name sollte eigentlich Programm sein, denn „super flu“ steht im Französischen für „überflüssig, unnötig“. Hätten sich Feliks und Mathias doch nur an ihre Selbstbezeichnung gehalten, dem elektronischen Ohr des Musikliebhabers wäre viel Leid erspart geblieben.

Aus Halle kommen sie, in Halle leben sie und wie jeder Fan der elektronischen Tanzmusik weiß, ist aus Halle noch nie etwas Anhörbares hervorgekrochen. Es ist tiefste Elektroprovinz und nicht einmal wenn Charles Bronson rot sieht, könnte er einen davon überzeugen, sich dorthin zu verirren. Jedenfalls begab es sich im Jahr 2005, dass sich Feliks und Mathias über den Weg liefen und den fatalen Entschluss fassten, gemeinsam zu musizieren oder zumindest das zu machen, was sie dafür halten. Schon ihre ersten eigenen Sachen bewiesen, dass sie besser etwas anderes gelernt hätten. Man höre sich zum Beispiel nur „Schooling Out“ an, das bereits zu diesem frühen Zeitpunkt der überflüssigen Laufbahn bewies, dass der Sound von Super Flu alles andere als zukunftsweisend und völlig aus der Zeit gefallen ist. Hätten sie diesen Wink des Schicksals nur verstanden, dann wären uns Gehörleichen wie „She“ oder „Tripple Mapple“ erspart geblieben, von elektronischen Alpträumen wie „Edlich“ und „Puma Okay“ ganz zu schweigen. Einen neuen Tiefpunkt erreichten Super Flu dann 2009 mit ihrem Track „Shine“. Der Beat drückt einfach so gar nicht und das Gähnen auf der Tanzfläche ist quasi vorprogrammiert, wenn sich überhaupt jemand auf die selbige verirren sollte bei diesem Sound. Und dann das Video. Ein völlig überzogenes, unpassendes Filmchen, das offensichtlich mit jeder Menge Geld von Plattenfirmen subventioniert wurde und so gar nicht zu dem Anspruch passen will, den Super Flu mit ihrer Musik angeblich vertreten.

Playlist: Super Flu on elektro-chronisten.de

„Willkommen in einer Welt, in der knusprig gebackene Bassdrums den Ton angeben“, schreiben sie auf ihrer Homepage, „in der Momratzn zu zwickenden HiHats zucken und dir Sprechblasen sympathische Bässe zuwinken.“ Was ist los? Welche Momratze winkt einem womit zu? Kein normaler Mensch kann und will das verstehen, aber wenigstens erklären sie hier, wie sie zu ihren Liedern kommen. „Dir fehlen die Ideen? Hör auf deinen Papagei! Hör Jazz. Bastel was aus lustigen Dönerbudennamen, exotischen Instrumenten und Kinderspielzeug.“ Dass man mit dieser Einstellung nicht weit kommt, zeigt das abschreckende Beispiel Super Flu überdeutlich. Doch wenigstens sind sie auf ihrer Website ehrlich und gestehen ein, dass sie vom Musikmachen keine Ahnung haben. Traurigerweise hinderte sie das nicht daran, weiterhin Tracks auf den Markt zu schmeißen. Da wahrscheinlich niemand ihr seltsames Zeug veröffentlichen wollte, gründeten sie selbst ein Label, das den verstörenden Namen Monaberry trägt und über das Super Flu seither ihre Dorfdiscobeschallungstanzmarschmusik in die Welt streuen. Man nehme „Euterpeh“, vielleicht eines der am wenigsten antreibenden Lieder, die jemals in Deutschland produziert worden sind und dessen Break sicherlich zum schwächsten gehört, was ein elektronisch stimuliertes Ohr jemals über sich ergehen lassen musste.

Es wird daher auf ewig ein Geheimnis der elektronischen Musikgeschichte bleiben, warum ausgerechnet Super Flu 2010 ein Album veröffentlichten. Dieses „Werk“ trägt den Titel „Heimatmelodien“ und so mancher wird beim Anhören daran gedacht haben auszuwandern, wenn sich die eigene „Heimat“ tatsächlich so anhört. Schwache Nummern wie „Nickeltoe“, „Poppycock“ und „Lilou“ werden um die Totalausfälle „Oktavlachs“ und „Didschn“ erweitert und heraus kommt das, was Super Flu als Album bezeichnen.

Die wahre Tragik der Super-Flu-Geschichte liegt allerdings darin, dass sie es einfach nicht begreifen wollen, dass sie in der Elektroszene nichts zu suchen haben. Dass sie mit einem schönen Bürojob einfach besser bedient wären und allen Menschen viel musikalisches Leid dadurch erspart bliebe. Stattdessen publizieren sie neue Tracks wie „Hasoweh“, bei dem sie die armen Jungs von Andhim in ihre Abwärtsspirale mit hinein ziehen. Vermutlich wurden Andhim von den Superflutionisten irgendwie unter Hypnose oder Schlimmeres gesetzt, dass sie bei diesem makabren Schauspiel mitmachen.

Vielleicht wollten Andhim Super Flu aber auch nur davon abhalten, weiter Remixe von ihren Liedern zu produzieren, denn wohin das führt, haben Andhim wohl festgestellt, als Feliks und Mathias ihr eigentlich sehr gelungenes „Patty Sue“ verunstaltet haben. Nicht anders verhält es sich dabei mit den Super Flu Edits von Stereofreaks „Sofa Dancer“, Tjarks „New Day“ oder Freskas „Kurp“. Bitte, bitte, nicht anhören und falls man doch mal diesen Fehler begeht, sollte man versuchen, das soeben Gehörte möglichst schnell wieder zu vergessen.

Wenn man wie Super Flu keine Ahnung von Musik hat, dann äußert sich das natürlich auch bei den Auftritten. Stimmung bei Super Flu? Fehlanzeige. Wer sich von einer derart traurigen Veranstaltung mal ein Bild machen möchte, der sollte sich ihren Auftritt auf dem Palazzo-Boot anschauen, bei dem die Crowd mehr oder weniger im Stehen einschläft, während sich die beiden Überflüssigen Mühe geben, mit zitternder Hand Platten ineinander zu mischen. Auf ihrer Facebook-Seite behaupten sie trotzdem ganz unverfroren, dass sie Gigs in der ganzen Welt spielen, obwohl man deutlich merkt, dass die angeblichen Beweisfotos aus Kolumbien oder Südafrika mit Photoshop erstellt wurden.

Der letzte Schock wurde dann kürzlich publik. Super Flu arbeiten an einem neuen Album. Wenn man einen Titel vorschlagen dürfte, wäre es wohl „Melodien, die die Welt nicht braucht“, obwohl man davon ausgehen kann, dass sich die beiden in ihrer Selbstüberschätzung etwas anderes ausdenken werden.

Zum Schluss bleibt eigentlich nur noch eine Frage: Wenn einem Super Flu nicht gefällt, warum sollte man dann überhaupt einen Text über sie schreiben? Ganz einfach, um die Welt vor ihnen zu warnen. Es gibt viele unbedarfte Kinder, deren elektronisches Gehör noch nicht so ausgeprägt ist und die vor dem superflutionistischen Teufelskreis geschützt werden müssen. Für alle anderen würden wohl vier einfache Worte ausreichen: Super Flu – Epic Fail!

P.S. Ironie aus!

P.P.S. Wer nicht versteht, was das bedeutet, sollte den Text noch einmal lesen und jede Aussage in ihr Gegenteil verkehren, um die tatsächliche Message dieses Artikels zu begreifen. Viel Spaß dabei!

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