Monkey Safari: Die Weiterentwickler

Dass sich die Elektroszene in Deutschland nicht ausschließlich auf Berlin konzentriert, beweisen zwei Brüder, deren Musik den Siegeszug aus der vermeintlichen Provinz antrat. Monkey Safari machen seit einigen Jahren feinsten elektronischen Sound. Von Party- über Psychonummern bis hin zu deepen, nachdenklichen Klängen ist alles mit dabei. Mit ihrem ersten Album zeigen sie zudem, dass Elektro nicht immer kindisch sein muss.

Von Sebastian Binder  

Es gibt einige Eingeweihte, Wissende, Sehende, die nicht akzeptieren wollen, dass Berlin die Hauptstadt des deutschen Elektro ist. Trotz aller Ritter, Haine, Wasserschleusen und Rosen. Trotz aller Produzenten und DJs, die sich in ihren Kiezen versteckt halten und meist nur nachts das Licht der Welt erblicken. Trotz alledem gibt es tatsächlich ein paar Zweifler, die behaupten, dass es noch eine zweite, heimliche Hauptstadt der deutschen Elektroszene gibt. In Sachsen-Anhalt gelegen, 233.000 Einwohner, größter Arbeitgeber ist die Deutsche Post. Na, wer weiß es? Die Geburtsstadt der nicht allen Menschen sympathischen Margot Honecker und von Moderationsallzweckwaffe Kai Pflaume? Immer noch nicht? Ok, ein letzter Hinweis: Was macht Charles Bronson an der Saale? Richtig, die ganze Nacht durchfeiern. Die Rede ist natürlich von Halle, diesem auf den ersten Blick so unscheinbaren Städtchen in der Nähe von Leipzig, das aber in elektro-musikalischer Hinsicht eine ganze Menge zu bieten hat. Da gäbe es zum Beispiel Jörg Scheibe, Ron Flatter und natürlich die Supertüftler von Super Flu. Und dann wäre da noch die Band zu nennen, die den Hallensern einen ganz besonderen elektronischen Stempel aufgedrückt hat: Monkey Safari.

Die Musikgeschichte hat gezeigt, dass es nicht immer gut gehen muss, wenn zwei Brüder der gleichen Band angehören. Wer das nicht glaubt, kann ja mal bei Oasis nachfragen. Bei den beiden Brüdern von Monkey Safari allerdings gestaltet sich die Bandatmosphäre erfreulicherweise etwas harmonischer als bei den Brit-Poppern. Seit 2008 sind die beiden nun als DJ-Team unter ihrem ganz speziellen Namen unterwegs. Aber wie kommt man überhaupt darauf? Affen+Safari=Guter Elektro? In dieser Gleichung scheint ein Fehler zu stecken, den man allerdings selbst als ausgemachtes Mathematik-Genie nicht erkennen kann. Glücklicherweise geben die beiden im Interview mit banq.de selbst Auskunft über ihre leicht kuriose Selbstbezeichnung: „Der Name entstand wie so vieles beim konstruktiven Besäufnis in einer Berliner Bar.“ Aha, wer hätte das gedacht? Hier ist er also, der mehr oder weniger logische Zusammenhang. Es verwundert somit nicht, dass sie sich selbst als „Nachtleben-abhängig“ bezeichnen. Aber gut, wir wollen hier keine semantische Namensanalyse betreiben, sondern uns mit Sound beschäftigen. Und hier haben die Monkeys einiges zu bieten. „Fröhliche, dumme und spaßige Klänge sind die Zeichen unserer Kreativität“, beschreiben sie ihre Musik auf ihrer Homepage: „Musik mit tropischem Geschmack und einem elektronischen Funken, ideal für durchzechte Nächte, in denen man durch die Gegend stolpert und seinen Drink auf der Tanzfläche verschüttet.“ Muss man noch mehr dazu sagen?

Man muss. Denn bereits ihre erste EP „Zulu“, die sie 2010 auf ihrem eigenen Label „what! what!“ herausbrachten, lohnt ein genaueres Hinhören. Vor allem das starke „Fanfara“ zeigte auf, wo die Reise mit dem Monkey-Sound in der nächsten Zeit hinführen würde: Elektronische Musik, die sich aber aller Genres und Stilrichtungen bedient, keineswegs festgelegt auf das Beat-Sample-Geräusche-fertig-Konzept. Auch Tracks wie „Zumbador“, „Bamboolica“ oder „Chanson de Jean“ unterstützten diesen Anspruch und ließen Monkey Safari sehr schnell aus der Schar der Elektroproduzenten herausstechen. Ihre vielleicht psychopathischste Nummer schmissen sie allerdings 2011 auf den Markt. Ohne den beiden zu nahe treten zu wollen, aber man muss schon ein bisschen verschroben, um nicht zu sagen: durchgeknallt, sein, um das alte Volkslied „Der Jäger aus Kurpfalz“ in eine schweißtreibende Technonummer umzuwandeln. Paradoxerweise heißt dieses Meisterwerk „Berlin“ und zeigt der Hauptstadt, dass einer der innovativsten Tracks des Jahres 2011 eben nicht aus ihr kommt. Denn das Geniale an diesem Lied ist, dass man in den Gesangspassagen sowohl „Der Jäger aus Kurpfalz“ oder eben „Berlin“ hören kann, je nachdem, auf welche Frequenz man seinen Gehörgang gerade eingestellt hat. Dass sie allerdings nicht nur verrückte Partykracher draufhaben, sondern auch mit orchestralen Sounds umgehen können, bewiesen die beiden Brüder zusammen mit Seth Schwarz im selben Jahr mit dem besonders edlen „Balkonia“, dessen Geigenpart wohl zum Feinsten gehört, was in jüngerer Vergangenheit in Elektro-Deutschland produziert worden ist.

 

Im Jahr 2012 haben sich Monkey Safari etwas getraut, wovor viele Elektro-Künstler in Deutschland immer noch zurückschrecken: Die Veröffentlichung eines kompletten Albums. „Happy Body Music“ heißt dieses Werk und wurde natürlich ebenfalls auf „what! what!“ veröffentlicht. Hört man sich die 13 Tracks an, so stellt man als Monkey-Safari-Fan der ersten Stunde fest, dass ihr Sound erstaunlich gereift ist. Er kommt tiefer, nachdenklicher daher, selbstverständlich immer noch mit einer ordentlichen Prise Party-Potential, aber eben doch anders als die „Saturday Night Fish“ oder die „Bamboolica“ EP. Möchte man es mit einem abgestumpften Klischee ausdrücken, dann könnte man sagen, dass Monkey Safari mit „Happy Body Music“ erwachsen geworden sind. Das klingt vielleicht dämlich, aber irgendwie kann man sich dieses Eindrucks nicht erwehren. Und das soll dabei keineswegs negativ gemeint sein, denn auf ihrem ersten (und hoffentlich nicht letzten) Album befinden sich eine Vielzahl genialer Tracks, angefangen vom verstörend-gutgelaunten „Talking Mama“ über das einfach superbe „Lenis Gugu“ hin zum tiefenanschiebenden „Slam City“. Wenn sich Erwachsenwerden so anhört, dann muss man wirklich keinen auf Peter Pan machen.

Und aus diesem Grund überrascht es ebenso wenig, dass die Monkeys auch als DJs weltweit gefragt sind: Deutschland, Holland, Schweden, Australien, die Monkey Safari zieht sich durch eine Vielzahl an Ländern dieser Welt und es macht ganz den Anschein, als wäre sie noch längst nicht beendet. Die Homebase der beiden wird wohl dennoch Halle bleiben, denn hier betreiben sie den Club „Charles Bronson“, der mittlerweile zu den ersten Adressen des Elektrokosmos in Deutschland gehört. Also, den Jäger aus Kurpfalz angeworfen und dann wird durch den grünen Wald geritten, bis man sie schließlich erreicht, diese malerische Stadt, allhier auf grüner Heid…